Leseprobe


Manolo wir hören Dich!


(Leseprobe S. 12-13 aus Manolo, wir hören Dich! Autor: Dirk Dillenberger)

Manolo – der KultTrommler

vom Bökelberg

Blicke zum Himmel gelten oft denen, die bereits mehr wissen als wir. Blicke auf alte Fotos, auf Fernsehbilder oder auf ewig lebendige Erinnerungen zeugen häufig von nicht zu Ende gesprochenen Sätzen, von stetigen Sehnsüchten, von Verlusten, von Triumphen, von vitalisierenden Hoffnungen und von Träumen, die kein Zaun dieser Welt eingrenzen kann. Manolo, Kult-Trommler vom Bökelberg. Auch er schien geleitet von Träumen, die kein Zaun dieser Welt eingrenzen kann.

Manolo. Wie prägte Manolo Ethem Özerenler und was von Ethem Özerenler machte Manolo, den Trommler vom Bökelberg, aus?

Die Wahrheit ist, dass wir Gladbacher, die Mitglieder unserer Borussia, Fans und Sympathisanten, die meisten Spieler und Verantwortlichen, nicht den Hauch einer Ahnung davon haben, was diesen markanten Repräsentanten des Vereins beschäftigte. Im Jahre 1968 kam er nach Mönchengladbach und seit 1977 zog es ihn auf den Bökelberg. Sein Werdegang, sein Weg hinein in sein Stadion, ist jedoch so bewegend, dass man sich als Borusse getrost an ihn erinnern sollte.

Jeder Borusse kennt Manolo und dabei ist es unerheblich, ob man in Mönchengladbach zur Welt gekommen ist oder ob man sich seit Jahr und Tag als Borusse fühlt. Manolo war, ist und bleibt Sinnbild für eine Form der Fankultur, die dem Fußball der vergangenen Jahrzehnte mehr geben konnte als weithin angenommen. Heute wissen wir, dass die Helden der Kindheit Menschen aus Fleisch und Blut waren, und uns wird manchmal bewusst, dass einige wahre Helden vielleicht nicht nur Fußball gespielt, sondern ihr Team aus der Kurve heraus begeistert angetrieben haben. Vielleicht waren unsere Helden auch Menschen, die einfach nur ihren Weg gegangen sind. Möglicherweise war der Ordner vor dem Südkurven-Block 36 in seiner ganzen unaufdringlich hilfsbereiten Art heroischer als der Legionär, der bei einer besseren Gelegenheit den Vereinswechsel anstrebte. Ganz sicher waren es immer wieder Originale, die unsere goldenen Momente im Dunstkreis von Borussia Mönchengladbach geprägt und auf beeindruckende Weise manifestiert haben. Immer dann, wenn aus dem kollektiven Gedächtnis der Freunde dieses glorreichen Fußballvereins eine weitere Generation Borussia hervorging, eine weitere Etappe eines gemeinsamen Weges nachempfunden werden konnte, standen am Ende jeder Überlieferung stets Menschen mit Konturen, die für Werte des Vereins geworben oder diese leidenschaftlich verkörpert haben.

Manche Borussen agierten im Hintergrund und bewegten. Andere Borussen wurden, ob sie wollten oder nicht, von einem prallen Lichtkegel eingefangen und nie wieder wirklich befreit.

Weitere Borussen sind in all den Jahren tief in ihrer brennenden Seele nicht einen Tag gealtert, denn ihr junges Borussen-Herz sollte sie für immer begleiten. Ob es die Sage der wilden und verspielt stürmischen Gladbacher Elf ist oder der Mythos Borussia, den Spieler, Trainer, Funktionäre und insbesondere viele Generationen von Fans gemeinschaftlich verkörpern – Borusse sein ist ein Leichtes.

Borussen fühlen es.

Borussen leben es.

Borussen bleiben, solange wir von ihnen reden oder sie beschreiben.

Manolo, der wohl bekannteste Borussia-Fan aller Zeiten, befand sich plötzlich in unserer Mitte.

Die Herzen echter Borussen erreicht er bis heute.

Manolo. Der Kult-Trommler vom Bökelberg.

Ein einfacher Mann.

Ein sagenhafter Borusse.

(Leseprobe S. 50-51 aus Manolo, wir hören Dich! Autor: Dirk Dillenberger)

Ich bin für Borussia.

Ich bin wie Manolo.

Eine urige Gemeinschaftsgrundschule in Mönchengladbach ist im Jahre 1989 der morgendliche Zielort für verspielte Kids der Regionum den Gladbacher Volksgarten herum. Jeden Vormittag um 9.30Uhr, wenn die große Pause anbricht, rasen die Kinder auf den Schulhof, um ihr junges Leben zu feiern und gemeinsam zu spielen. Die Mädchen beschäftigen sich mit Hinkelkästchen oder tauschen Pferde-Sticker, während fast alle Jungen einem leichten Kunststoffball hinterherjagen. Es geht hier um den puren Fußball. Zwei auf dem Boden markierte Torlinien reichen dieser wilden Truppe vollständig aus, um ihr Spiel zu zelebrieren. Es geht hin und her. Schlag auf Schlag. Jeder Junge, der etwas darstellen will, mischt hier mit. Jeder Junge ist hier für Borussia. Jeder Junge ist in diesen wenigen Minuten ein Profi. Der dickliche Micha ist heute Hans-Günter Bruno Bruns. Er sieht nicht annähernd aus wie der beliebte Borusse, er will es einfach sein,also ist er der Bruno. Er bewegt sich jetzt so wie er, versucht ständig irgendwelche Sololäufe, wird aber regelmäßig von Thorsten abgegrätscht.

Der giftige Thorsten interessiert sich normalerweise nicht für Fußball, er zerstört ganz gerne. Er ist nach eigenem Empfinden Hans-Jörg Joker Criens, eigentlich ein Stürmer.

Der äußerst beliebte und freundliche Daniel steht im Tor und lacht mit der Sonne um die Wette. Er ist Uwe Kamps. Das passt sogar.

Alle anderen Jungs suchen sich ihre Vorbilder nach Belieben aus.

Einer der begeisterten Pausenkicker, von denen keiner älter als neun

manolo september 1999 leseprobe

Jahre ist, kommentiert das Spielgeschehen in der bewährten Manier eines Heribert Faßbender, während er den Ball dann und wann in den kleinen Strafraum chipt. Eine seiner Flanken wirkt ein wenig zu hoch angesetzt; er flucht bereits, als Fathi sich vor dem Kasten anbietet. Fathi steigt hoch in die Luft und legt einen einwandfreien Fallrückzieher hin. Auf dem Asphalt des Schulhofs. Er versenkt den Ball im Torund für Sekunden schweigt die Rasselbande. Ein fabelhafter Treffer! Fathi steht auf, schüttelt sich kurz und ruft nach seinem Kumpel Hayrettin. Irgendetwas Türkisches ist zu hören. Viele Jungen hätten danach geweint; so ein Fallrückzieher auf diesem Boden muss einfach schmerzen. Hayro, wie Fathi seinen Freund nennt, hat die prächtige Aktion gesehen. Das ist die Hauptsache. Es klingelt und die Pause ist vorbei. Aus den rasant vorgetragenen Angriffen hochmotivierter Pau-

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